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David Lodge: Saubere Arbeit

Und so kommt zum guten Ende
alles unter einen Hut.
Ist das nötige Geld vorhanden,
ist das Ende meistens gut.

(aus der Dreigroschenoper von Berthold Brecht und Kurt Weill)

Der reitende Bote kommt sehr selten, auch wenn es wie hier vermutlich nur ein Postbote auf dem Drahtesel ist, der die rettende Botschaft überbringt: eine Erbschaft, von deren Zinsen man bis ans Lebensende sorgenfrei leben kann. Hinzukommt ein Elternhaus, das selbst genug hat und gerne auf sein Erbe verzichtet, ein Bruder, der im Geld schwimmt, ein Heiratsantrag des langjährigen Geliebten, der eine auskömmliche Stellung bei einer Bank hat - da muss schon einiges zusammenkommen, damit eine Bildungsbürgerin wie Robyn ihre "saubere Arbeit" fortführen kann. Zudem weiß sie ihr Geld in guten Händen, da sie einen Geschäftsmann kennt, der skrupellos einen Mehrwert herausholt. - Ist das ein Happy End?

Robyn: "Nimm das Geld. Lass es arbeiten." - "Ich vertraue dir, Vic. Ich habe dich in Aktion erlebt."

Als Robyn die Werkhalle in Vics Betrieb besichtigen durfte und es noch nicht das eigene Geld war, das arbeitete, sondern Menschen, fand Robyn, dass die Werkhalle "die größte Ähnlichkeit mit mittelalterlichen Darstellungen der Hölle" hatte.

Die Arbeiter gehen nicht in die Kantine. Vic begründet das: "Sie setzen sich lieber am Arbeitsplatz auf den Fußboden und essen aus ihrem Henkelmann, ohne sich die Hände zu waschen. Sentimentalität zahlt sich bei der Belegschaft nicht aus." Später verlangen die Arbeiter fünf Minuten bezahlte Waschzeit. Vic ist stinksauer, läßt sich aber von zwei auf drei Minuten heraufhandeln. - Robyn hat Vic in Aktion erlebt; sie kann ihm getrost ihr Geld anvertrauen.

Finanziell gesichert kann Robyn ihre Arbeit fortführen, ihre soziale Einstellung behalten, Bildung für alle proklamieren und sich für die Frauenbewegung und freie Wissenschaft einsetzen. Vic nennt das "saubere Arbeit". Er selbst kann mit Robyns Kapital weiterhin schmutzige Arbeit verrichten lassen.