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Elfriede Jelinek: Lust

Das Buch ist unerträglich, man muss es zweimal lesen, - um ein paar der unzähligen Sprüche und Sprachspiele herauszuziehen, ohne die das Buch wirklich unerträglich gewesen wäre.

Eine kleine Auswahl:

Es ist alles durch Verbote, die Vorboten der Gelüste, begrenzt.

In den Hitlerzimmern der Tankstellen schlagen sie jetzt wieder aufeinander ein.

Der Direktor pflichtet ihr nicht bei, als sie in die Küche will und etwas hinrichten.

Für diesen Direktor gilt aber nicht die Zeit, denn er erzeugt sie ja selbst in seiner Fabrik, und die Uhren werden gestochen, bis sie schrein.

Die Banken werben mit Taschen an Riemen um die Kleinsten der Kleinen. Schon dieses Gesindel, Gesinde seiner Eltern, hat das Bedürfnis nach einem Kontostand. In ein paar Jahren hat das Geld dann eine schöne Gestalt angenommen, ein Fahrzeug zum Totmachen oder eine Wohnungseinrichtung zum Totsein.

Die Familie ist unter sich, einer unter dem anderen.

So steht die Frau still wie eine Klomuschel, damit der Mann sein Geschäft in sie hineinmachen kann.

Da fährt dieser Fahrgast, von seinem Wagen persönlich dazu eingeladen, über den gefrorenen Boden dicht an der Frau vorbei.

Die Menschen müssen sich rentieren, bis sie die Rente erreicht haben.

... gröber erwachen schon die Lehrlinge, in die Musik geschaufelt wird, kaum daß der Wecker sie geläutert hat.

Diese Mutter wird von ihren Ungehörigen bereits heftig gesucht.

... die Frau kann es einem schon heimelig machen, bevor sie es einem durch Heimlichkeiten oder Anhänglichkeit heimzahlt.

Die Zeitung vom nächsten Tag wird bereits verkauft, damit man den Abend schon vor dem nächsten Tag loben kann.


Hin und wieder wendet sich die Autorin direkt an den Leser und reißt ihn damit aus der Fiktion. Warum? Um dem Leser Zeit zum Nachdenken zu geben? Ich glaube nicht. Es sind kleine Verschnaufpausen.

Die meisten Männer kennen die Biographie ihres Autos besser als die Autobiographie ihrer Frauen. Was, bei Ihnen ist das umgekehrt? ... Dann können Sie sich glücklich setzen!

Kein wahres Wort ist an diesem Kind dran, es will nur mit seinen Schiern losziehen, das schwöre ich Ihnen.


Hin und wieder habe ich mir selbst eine Pause gegönnt, eine von mehreren Tagen. Ich habe mich durch die Quälereien des Buches gequält. Wenn ich ehrlich bin, habe ich das Buch nicht wegen seines Inhalts und nicht wegen seiner Aussage(n) gelesen, sondern der Sprache wegen - und weil ich es an dieser Stelle besprechen wollte. Jetzt fehlen mir die Worte dazu.