Martin Amis: Night Train
 

Wenn Sie den Fragebogen ausfüllen und absenden, erfahren Sie in den weißen Feldern das aktuelle Umfrageergebnis.

Die Fragen sind mit voller Absicht so gestellt, dass Sie jeweils nur eine Antwort markieren können.

   
 
     


1. Welcher Deutung stimmen Sie am ehesten zu?
(Wenn Sie zur 1. Frage eine ganz andere Meinung haben, dann schreiben Sie doch einfach einen Leserbrief.)

      Es war Selbstmord.

Jennifer lehnt alles ab, was ihr Bewusstein verändern könnte - ein Glas Wein ja, mehr aber nicht. Sie fühlt sich verpflichtet, ein diszipliniertes Leben zu führen, vernünftig zu handeln, hübsch zu sein, stets heiter zu sein (nicht nur so zu tun), anderen zu helfen, eine perfekte Liebhaberin zu sein. Ihre Maßstäbe hat sie nicht aufgrund eigener Erfahrungen entwickelt, sie sind ihr anerzogen worden. Jennifer ist zu behütet aufgewachsen, sie hat sich nicht ausprobiert. Darum weiß sie später nicht recht, was ihre Persönlichkeit ausmacht. In ihrem Abschiedsbrief schreibt sie, dass sie das Gefühl hat, die Kontrolle über ihre Gedanken zu verlieren. Meine Gedanken gingen ihrem Denken nach und taten, was sie tun mußten, und ich stand als unbeteiligte Zeugin daneben. Etwas schlichter lässt es sich auch so ausdrücken: Sie hat das Gefühl, nicht ihre eigenen Gedanken zu haben.

Erstaunlicherweise gibt sie sich, obwohl sie sich selbst so viel Strenge auferlegt, anderen gegenüber tolerant. Jennifer scheint sich nicht zu trauen, anderen Vorwürfe zu machen. Als Naturwissenschaftlerin neigt sie eher zu Präparaten, als zur Psychotherapie. Sie probiert die Pillen von Phyllida aus, weil sie sich ihrem Hausarzt nicht anvertrauen möchte, der ihr Problem ihrem Vater weitersagen könnte, und vermutlich traut sie sich auch nicht, einen anderen Arzt aufzusuchen, weil sie damit ihren Hausarzt vor den Kopf stoßen könnte. Sie traut sich nicht, Erwartungen zu enttäuschen vor lauter Furcht, man werde ihr Liebe und Anerkennung entziehen. Jennifer traut sich nicht, nicht perfekt zu sein, sie ist gefallsüchtig.

Sie bricht aus ihrem Perfektionismus aus, indem sie ihrem Arbeitgeber falsche Auswertungen liefert (sie macht es perfekt, indem sie genau die richtigen Parameter falsch einstellt). Sie gibt zu (gibt vor), Drogen zu nehmen. Sie flirtet ein wenig mit einem Schürzenjäger und kommt sich vermutlich ziemlich verdorben dabei vor. Sie provoziert Vorwürfe. Doch Vorwürfe hält sie gar nicht aus. Mit diesen lächerlichen Befreiungsschlägen schlägt sie sich nur selbst, sie bewirft sich mit Schmutz und erträgt keinen Staub.

Immer perfekt sein, will sie nicht mehr, die Ausbruchsversuche rückgängig machen, kann sie nicht mehr, und diese Situation einfach aushalten, dazu ist sie nicht in der Lage. Aber genau das wäre es gewesen, was sie hätte lernen müssen. Die Pillen von Phyllida verleihen ihrem Problem das nötige Gewicht. Sie kann nicht mit einem Makel leben. Sie wollte etwas eigenes tun ohne daran zu denken, ob es anderen gefällt oder nicht, und weil sie die Konsequenzen nicht ertragen kann, weicht sie ins Jenseits aus. Es tut mir leid, es tut mir leid, es tut mir leid, ... Es tut ihr nicht wirklich leid, sie versucht nur die Vorwürfe abzublocken, die man ihr hinterher machen wird.

 
     

Es war Mord. Trader war's.

1. Es ist nicht vorstellbar, dass Trader 8 Jahre mit Jennifer zusammen war, ohne zu bemerken, wie sie in eine lebensbedrohliche Krise gerät. So etwas kann man sich vielleicht vorstellen bei einem älteren Ehepaar, dass seit 8 Jahren nebeneinanderher lebt und sich nichts mehr zu sagen hat. Trader behauptet jedoch für seine Beziehung mit Jennifer genau das Gegenteil.

2. Trader weiß, wie man Trauer glaubwürdig darstellt, und Mike fällt auf sein gutes Benehmen herein. Ihre Stärken kann sie in einfacheren Schichten der Gesellschaft beweisen, bei dem feinsinnigen Trader versagt sie. Sie verliebt sich sogar ein wenig in ihn, weil er so ganz anders wie ihre eigenen Liebhaber ist. Sie lässt ihm nämlich einiges durchgehen:

- Sie glaubt ihm, dass er sich wunderbar mit Jennifer verstanden hat, und zwar so gut, dass sie am liebsten miteinander allein waren. Sie glaubt ihm aber auch, dass er keine Ahnung von Jennifers Krise hatte.

- Sie lässt die Schrift auf dem Abschiedsbrief nicht untersuchen, von wem und wann er geschrieben wurde. Sie beschwert sich auch nicht, dass Trader ihn ihr erst so spät zeigt. Trader hatte also genug Zeit, sich einen Brief auszudenken, den Mike ihm abnehmen würde, jedenfalls keinen 0/8/15-Abschiedsbrief, denn dann wäre Mike vielleicht doch misstrauisch geworden.

- Sie sorgt nicht dafür, dass die Wohnung konfisziert wird. Trader hat nach wie vor Zugang. Vermutlich hat er das Selbstmordbuch selbst gekauft und es dann ein wenig zerlesen. Mike lässt nicht prüfen, wie alt das Buch ist und wie alt die angeblich von Jennifer stammenden Eintragungen sind.

- Sie beharrt nicht darauf, dass er ihr erklärt, warum er an jenem Tag so fertig das Haus verlassen hat, und als er später die Erklärung nachschiebt, sein Schnürsenkel sei gerissen und er sei mit der Jackentasche an der Türklinke hängengeblieben, glaubt sie ihm auch das. Das kleine Mädchen kann doch nicht der einzige Mensch gewesen sein, der Trader an jenem Tag gesehen hat. Vielleicht war Trader ja auch schon vorher ein wenig anders als sonst? Mike kümmert sich nicht darum.

3. Warum erkundigt sie sich nicht bei anderen, was sie für einen Eindruck von Trader haben? Sie scheint es gar nicht so genau wissen zu wollen.


 
      Für den Roman ist es irrelevant, ob Jennifer sich selbst getötet hat oder ermordet wurde.

Der Autor braucht diese Figuren aus der Oberschicht nur als Gegensatz zu Mike, der seine ganze Sympathie gehört. Mike ist trotz ihrer nicht geringen Probleme eine starke Figur. Sie ist nicht nur Bulle, wie sie sagt, sondern längst über ihren Beruf hinausgewachsen, Lebenserfahrung und Menschenkenntnis machen ihre Klugheit aus, nicht Belesenheit. Mike kennt Jennifers Probleme nach ein paar Tagen Untersuchung besser als ihr Vater und - falls Trader sie nicht umgebracht hat - weiß sie mindestens genausoviel über Jennifers mögliche Selbstmordmotive wie der hochgebildete, langjährige Lebenspartner.

Der Autor arbeitet mit einer ähnlichen Methode wie Mike. Er sammelt Hinweise für Konflikte, schließt von Äußerlichkeiten auf mögliche Bedeutungen und bezeichnet sie mit einer besonderen Sprache. Die Sprüche auf der Straße sind ihm wichtiger als schöngeistige Reden in den Salons. Seine Sympathie gehört denjenigen, die ihre Konflikte nicht nur im Kopf austragen, denn sie liefern den Stoff für ihn als Schriftsteller. Der Fall interessiert ihn nur soweit, wie er seine Untersuchung schildern kann, denn die Recherche, der genaue Blick, das ist auch die Voraussetzung für sein Schreiben. Die Lösung des Falles würde nur ablenken, darum lässt sie der Autor weg, ihm kommt es darauf an zu zeigen, dass Erfahrung wichtiger ist als Bildung.

 
      Keine Antwort.
 

2. Martin Amis nennt die Polizistin Mike Hoolihan. Warum?

      Bei Hoolihan denkt man Hooligan. Mike säuft, sie prügelt sich mit ihren Liebhabern. Der männliche Vorname Mike passt zu ihrem burschikosen Auftreten, zu ihrer Direktheit.
 
      Der Name verweist auf die irische Abstammung und damit auf die Mentalität, die den Iren nachgesagt wird: etwas derb, aber herzlich..
 
      Keine Antwort.
 

3. Haben Sie das Buch zu Ende gelesen?

      Ja.
 
      Nein.  

4. Würden Sie das Buch weiterempfehlen?

      Ja.
 
      Nein.